Veröffentlicht am: 17 März 2026

Raex® 400 oder Hardox® 400: Welchen Stahl wählen Sie?

Raex® 400 und Hardox® 400 sind zwei verschleißfestem Stahl mit sehr ähnlichen Eigenschaften, jedoch mit einigen Unterschieden. In diesem Artikel vergleichen wir die Zusammensetzung und wichtigsten Eigenschaften beider Materialien und zeigen, worin sich die beiden Sorten unterscheiden.

Zunächst vergleichen wir die folgenden Aspekte:

Abschließend geben wir Ihnen eine allgemeine Empfehlung.

Chemische Zusammensetzung

    Max. gewicht in %
    Hardox® 400 Raex® 400
      Quartoblech Bandblech
Element %C 0,32 0,23 0,16
%Si 0,7 0,8 0,5
%Mn 1,6 1,7 1,6
%P 0,025 0,025 0,025
%S 0,01 0,015 0,015
%Cr 2,5 1,5 1,5
%Ni 1,5 1 1
%Mo 0,6 0,5 0,25
%B 0,004 0,005 0,005
Die obige Tabelle zeigt für jede Stahlsorte den maximalen prozentualen Anteil der einzelnen Legierungselemente. Bei Raex® wird dabei zwischen Platten und Blechen unterschieden. Platten gelten in der Regel als relativ dick, während Bleche dünner sind.

Ein auffälliger Unterschied in der Zusammensetzung ist der höhere Kohlenstoffgehalt (C) bei Hardox® 400. Raex® 400 enthält dagegen etwas mehr Bor (B). Beide Elemente tragen zur Härtung des Stahls bei. Für diesen Effekt ist nur eine sehr geringe Menge Bor erforderlich, weshalb die angegebenen Prozentsätze entsprechend niedrig sind.

Auf dem Papier besteht also ein gewisser Unterschied in der chemischen Zusammensetzung. In der Praxis macht sich dieser jedoch in vielen Fällen kaum bemerkbar.

 

Mechanische Eigenschaften

  Hardox® 400 Raex® 400
  2 – 130 mm dick 3 – 80 mm dick
Kerbschlagzähigkeit 45 J / -40°C 30 J / -40°C
Härte 370 – 430 HB 360 – 440 HB

Die obigen Angaben geben die Kerbschlagzähigkeit und Härte pro Materialart wieder. Dabei veröffentlicht Hardox® Werte, die für Blechdicken von 2 bis 130 mm gelten. Raex® bleibt innerhalb von 3 bis 80 mm.

Der Kerbschlagwert zeigt, dass Hardox® 400 bei -40 °C mit 45 Joule eine höhere Zähigkeit aufweist als Raex® 400, das 30 Joule erreicht. Bei der Härte liegen beide Stähle im Durchschnitt bei 400 HB. Allerdings ist die Streuung bei Raex® 400 etwas größer. Besonders im Hinblick auf Konsistenz und Nachhaltigkeit ist dies nicht immer ideal.

Betrachtet man die Kerbschlagzähigkeit, schneidet Hardox® 400 also besser ab als Raex® 400. Wichtige Nuance: In den Niederlanden, Belgien und Deutschland treten Temperaturen von -40 °C normalerweise nicht auf, sodass J2-Qualitäten (27 Joule bei -20 °C) ausreichend sind. In diesen Ländern kann man also normalerweise mit beiden Stahlsorten gut arbeiten.

Mit Blick auf die Härte und insbesondere auf mögliche Abweichungen lässt sich festhalten, dass Hardox® 400 eine höhere Prozesssicherheit bietet als Raex® 400.

Biegsamkeit: Minimaler Innenradius

  Hardox® 400 Raex® 400
Minimaler Innenradius in Bezug auf die Walzrichtung Blech (t = 2 - 4 mm): 90° 3xt // 0° 4xt t = < 20 mm: 90° 3xt // 0° 4xt
Platte ( t = < 8 mm): 90° 2,5xt // 0° 3xt  
 Platte ( t = 8 - 15 mm): 90° 3xt // 0° 4xt  
 Platte ( t = 15 - 20 mm): 90° 3xt // 0° 4xt  
 Platte ( t = 20 - 50 mm): 90° 4xt // 0° 5xt  

Die obige Tabelle gibt für jeden Materialtyp den minimalen Biegeradius beim Kanten pro Plattendicke und Walzrichtung an (90° ist rechtwinklig zur Walzrichtung, 0° ist parallel zur Walzrichtung). Auffällig ist zudem, dass Raex® 400 lediglich Durchschnittswerte angibt (3 × oder 4 × die Plattendicke) und keine Angaben zu den minimalen Biegeradien bei Platten mit einer Dicke von mehr als 20 mm macht.

Unterhalb von 20 mm sind die Werte beider Materialien jedoch nahezu gleich. Lediglich bei Blechen mit einer Dicke von weniger als 8 mm hat Hardox® 400 einen leichten Vorteil.

Schweißbarkeit: Kohlenstoffäquivalent

  Hardox® 400   Raex® 400
CEV 2 - 8 mm max. 0,43   Blech (3 - 8 mm) 0,48 mm
4 - 8 mm max. 0,41   Platte (6 - 20 mm) 0,44 mm
8 - 20 mm max. 0,47   Platte (20 - 32 mm) 0,53 mm
20 - 32 mm max. 0,52   Platte (32 - 80 mm) 0,57 mm
32 - 45 mm max. 0,67      
45 - 51 mm max. 0,67      
51 - 80 mm max. 0,82      
80 - 130 mm max. 0,92      

Die obige Tabelle zeigt den Kohlenstoffäquivalentwert (CEV) beider Stähle. Je höher dieser Wert ist, desto schwieriger lässt sich das Material schweißen. Der Grund dafür ist, dass beim Schweißen das Risiko einer Versprödung in der Wärmeeinflusszone (WEZ) steigt. Das muss zunächst kein Problem sein, doch ein spröderes Material ist anfälliger für Risse und Brüche. Deshalb muss der Schweißprozess so kontrolliert erfolgen, dass diese Versprödung möglichst gering bleibt.

Es zeigt sich, dass Hardox® 400 bei dünneren Blechdicken etwas besser schweißbar ist als Raex® 400. Bei dickeren Blechen hat hingegen Raex® 400 einen leichten Vorteil.

Es gibt jedoch ein „Aber“ in dieser Betrachtung. Im Allgemeinen liegt die Grenze für eine gute Schweißbarkeit zwischen 0,43 und 0,45. Ein niedrigerer Wert gilt als relativ gut schweißbar, ein höherer Wert als eher schwierig. Beide Materialien liegen an dieser Grenze oder darüber. Unabhängig davon, für welches Metall Sie sich entscheiden: Beide sind nur eingeschränkt schweißbar. Es ist daher nicht überraschend, dass Schweißverbindungen bei verschleißfesten Stählen häufig vermieden werden und stattdessen alternative Verbindungsmethoden zum Einsatz kommen.

Raex® 400 oder Hardox® 400?

Unser Fazit: Beide Stahlsorten bieten eine vergleichbare Verschleißfestigkeit und mechanische Leistungsfähigkeit. Auch in der Verarbeitung überschneiden sich die Eigenschaften weitgehend. Unterschiede zeigen sich vor allem in Details oder bei extremen Anforderungen. In den meisten Anwendungen können Sie sich daher für beide Qualitäten entscheiden.

Aber…

  • …spielt das Budget eine Rolle? Dann ist Raex® 400 in der Regel die günstigere Wahl.

  • ... wird der Stahl bei Temperaturen bis zu −40 °C eingesetzt? Dann ist Hardox® 400 besser geeignet.

  • ... legen Sie Wert auf möglichst gleichbleibende Qualität? Dann sprechen die engeren Toleranzen für Hardox® 400.

  • ... muss der Stahl noch geschweißt werden? Dann kann Hardox® 400 bei dünnen Blechen und Raex® 400 bei dickeren Blechen im Vorteil sein.

Zum Abschluss:

Durchschnittswerte eignen sich gut für einen ersten Vergleich. Wenn Sie jedoch sicherstellen möchten, dass bestimmte Eigenschaften tatsächlich erfüllt sind, sollten Sie oder Ihr Metallverarbeiter immer das Zertifikat der jeweiligen Charge prüfen.

Haben Sie noch Fragen?

Nutzen Sie diesen Artikel in erster Linie als Nachschlagewerk. Müssen Sie für Ihr Projekt einen verschleißfesten Stahl auswählen? Dann empfiehlt es sich, einen Metallurgen oder Konstrukteur hinzuzuziehen.

Haben Sie noch Fragen zu Raex® 400 oder Hardox® 400? Dann nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit MCB verfasst. Die verwendeten Zahlen stammen aus den Datenblättern von Hardox® 400 und Raex® 400. Die aktuellsten Zahlen finden Sie in dieser Dokumentation.

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